Thermometer-Siedlung – Dispens-Planung in Lichterfelde – Teil 1 khd
Stand:  28.10.2007   (42. Ed.)  –  File: ThS/Ex/Dispens_Planung.html




Diese Seite ist Teil eines Reports zur Thermometer-Siedlung, einer Stadtrandsiedlung in Berlin-Lichterfelde. Hier werden einige Hintergrund- Infos zu dem Report dokumentiert, die teilweise mit [Ed: ...] kommentiert wurden. Ein 2. Teil existiert derzeit noch nicht (ist aber geplant). [Translation-Service]

Den Begriff „Dispens-Planung“ werden Sie in der Literatur kaum finden. Er soll veranschaulichen, daß es sich um eine Planung einer Bebauung handelt, bei der vorwiegend mit Ausnahmen und/oder Befreiungen (Dispensen) gearbeitet wird – allzuoft auch noch von vornherein. [Uni Dortmund: Zulässigkeit baulicher Vorhaben]

I n h a l t :

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1999 — Steglitzer Bauplanung liebt antiquiertes Baurecht

Nach 17 Jahren Bebauungsplan verworfen

39 Jahre altes Recht für Villenkolonie gilt weiter

Aus:
Berliner Zeitung, 8. Mai 1999, Seite 23 (Lokales).

STEGLITZ (juli). Der umstrittene Bebauungsplan [XII-B1] für die Gartenstadt Lichterfelde West wird nicht verabschiedet. Nach 17 Jahren stellt das Bezirksamt das Verfahren nun ein. Wie berichtet, wurde seit 1982 an einer Bauvorschrift für die von Johann Anton Wilhelm von Carstenn im vergangenen Jahrhundert als Gartenstadt konzipierte Siedlung gearbeitet. Eine Anwohnerinitiative hatte wiederholt gefordert, daß in dieser Verordnung der Häuserbau in den Gärten der Grundstücke verboten werden sollte. Ein solches Verbot wollte Baustadtrat Norbert Kopp (CDU) im Planungsrecht aber nicht verankern.

Für das Wohngebiet mit den hochherrschaftlichen Villen und weitläufigen Gärten ändert sich mit dem Ende des amtlichen Verfahrens praktisch nichts. Wie zuvor gilt in Lichterfelde West weiterhin ein Bebauungsplan von 1960 [Ed: West-Berlins Baunutzungsplan, auf dessen Basis sich fast alles genehmigen läßt und der ohne Bürgerbeteiligung erlassen wurde]. Nach diesem Recht wäre eine weitere Bebauung des Carstenn-Viertels durchaus möglich. Eine Erhaltungssatzung für das Villenviertel sowie bestehender Denkmalschutz für die Gebäude machen jedoch den Bau von weiteren Häusern schwierig. "Es gibt keinen Grund zu Befürchtungen", sagt Baustadtrat Norbert Kopp (CDU) [Ed: der bereits 1997 das Bebauungsplanverfahren XII-254 für den Ostpreußendamm 60 einstellen ließ, vermutlich um dort nach dem Baunutzungsplan von 1960 (!) leichter Baugenehmigungen für den Discount- Einzelhandel erteilen zu können].

Die Mitglieder der Anwohnerinitiative mit dem Namen "Schwarze Rose" kämpfen seit Jahren dafür, daß die Villenkolonie erhalten bleibt. Sie fürchten, daß langfristig ohne Bauverbot in den [großen] Gärten weitere Häuser entstehen.

[00.10.1998: Zukunft der Gartenstadt Lichterfelde West bedroht]  (STADTTEIL-ZEITUNG)
[24.12.2002: Baurecht sichert Villenkolonie in Lichterfelde-West]  (DIE WELT)
[01.08.2004: Dispens-Planung in Lichterfelde]  (khd-Page)
[15.09.2004: Bauskandal in Giesensdorf]  (khd-Page)



2004 — Fragen über Fragen – und keine Antworten...

Im Rahmen der umfangreichen Research-Arbeit zum Artikel „Berlins Schildbürgereien Part 2: Dispens- Planung statt menschengerechter Stadtplanung / Ortskern von Giesensdorf zerstört / Thermometer- Siedlung muß die Folgen tragen“ ergaben sich eine ganze Reihe von Fragen. Diese wurden im August 2004 zusammen mit dem Artikel in den USA via Internet publiziert und danach per E-Mail gewählten Vertretern der politischen Parteien im Berliner Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf übermittelt. Dennoch liegen bis Anfang 2006 keinerlei Antworten vor. Politiker nehmen eben solche wichtigen Anliegen von Bürgern, den Dingen auf den Grund zu gehen, nicht ernst.

Aus den Log-Dateien des Webservers geht allerdings auch eineindeutig mit Datum und Uhrzeiten hervor, daß die Parteien seit 2004 häufig in dem umfangreich publizierten Material gestöbert haben (visits). Und so kann auch der Schluß gezogen werden, daß man ein sehr schlechtes Gewissen hat – angesichts der in Lichterfelde-Süd entstandenen Fakten, die durch ihre falsche – nicht am Gemeinwesen orientierte – Politik verursacht worden sind. Denn im Herbst 2006 sind in Berlin Wahlen.

  Sollten Sie via Suchmaschine direkt auf dieser Seite gelandet sein, dann versäumen Sie nicht, sich die Übersichtsseite anzusehen.  
Deshalb werden diese wichtigen Fragen auf dieser neuen Internet- Seite in Großschrift wiederholt, auch um den unter dem Kurztitel „Dispens- Planung in Lichterfelde“ in Kanada endgültig archivierten Artikel von 2004 zu entlasten und um hier weiteren Anmerkungen und Kommentare [Ed: ...] hinzufügen zu können. Und vielleicht gibt es ja doch noch irgendwann präzise Antworten auf die Machenschaften – wenn sich erst die Presse der Sache angenommen hat.



Fragen über Fragen

2.–24.8.2004 (
khd). Natürlich ergeben sich nun viele Fragen, die sich nicht alle durch geschicktes Recherchieren im Internet beantworten lassen, zum Beispiel:

  1. Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Bauvorhaben des Investors Hapag GmbH in der Heilbronner Straße 26 in Halensee und seinen Bauplanungen am Ostpreußendamm 60 in Lichterfelde?

  2. Welche Bezeichnung hat der Bebauungsplan, auf dessen Grundlage am Ostpreußendamm 60 gebaut wird?

    [Ed-03.08.2004: Offensichtlich ist das (die Senatsdatenbank »
    FIS-Broker« liefert derzeit keine Bilder!) der XII-270, aber sicher ist das noch nicht].

    [Ed-12.08.2004: Es ist der XII-254, der aber in der aktuellen Senats- Datenbank nicht aufgeführt wird – warum?].

    [Ed-24.08.2004: Es gibt keinen Bebauungsplan XII-254 mehr, denn dieser wurde 1997 vom Bezirksamt Steglitz eingestellt (wer war denn da Baustadtrat?), um dort nach dem Uralt-Baurecht (Baunutzungsplan von 1960) ‚ungestört‘ bauen zu können. So konnte geschickt der zu erwartende Bürgerprotest bei der Bürgerbeteiligung vermieden werden].

          Baugrund am Ostpreußendamm 60
    ^   2004 – noch ist‘s eine grüne Wiese. Blick auf den bereits von Gehölzen abgeräumten Baugrund für eine autogerechten Kaufland-Mall am Ostpreußendamm 60. Dieses 3. Giesensdorfer Einkaufszentrum liegt vis-à-vis des neuen PLUS- Filiale. Mit dem Bau soll 2005 begonnen werden, zunächst ist Marzahn dran.   (Foto: 14.9.2004 – khd)
  3. Warum wurde am Ostpreußendamm 60 die Bürgerbeteiligung von wem verhindert?

  4. Kann ausgeschlossen werden, daß es im Zusammenhang mit dieser extrem fragwürdigen Geschäftsansiedlungspolitik zu keinen unsauberen Handlungen gekommen ist?

  5. Wer hat das wann und mit welchen Mitteln festgestellt?

  6. Wie kam der Senat wann zu der Ansicht, daß in Lichterfelde ein (Kombi-)Schwimmbad „nicht mehr benötigt“ wird?

  7. Welche Gründe wurden für den Abriß am Ostpreußendamm 137–138 (im Bereich des XII-177a von 1977) geltend gemacht?

  8. Wer ist der Eigentümer des Grundstücks/der Grundstücke, auf denen das Einkaufszentrum Giesensdorf am S-Bahnhof Osdorfer Straße realisiert wurde?

  9. Warum wurden die Bebauungspläne XII-177a bzw. XII-177b sowie XII-254 nicht weiterentwickelt?

  10. Was wird der Senat wann unternehmen, um die Einzelhandels- Infrastruktur der Thermometer- Siedlung und damit deren Lebensfähigkeit auf Dauer zu sichern?

  11. Welche Ausgleichsmaßnahmen wird der Senat und/oder der Bezirk den Giesensdorfer Bürgern wann anbieten?

  12. Wann werden die seit 1974 den Bewohnern der Thermometer- Siedlung versprochenen Naherholungsflächen (u. a. Naturpark) südlich der Hochhaussiedlung (XII-L2) realisiert? [mehr]



Geänderter Flächenutzungsplan für Lichterfelde-Süd

Erst diese FNP-Änderung ermöglichte den gewinnbringenden Verkauf von wichtigen Sport- und Freizeitflächen am Ostpreußendamm

FNP-Änderung 18/1998 für Giesensdorf
^   Die Änderung des Berliner Flächennutzungplans (FNP) Nr. 18 von 1998–2002 – eine reine Gefälligkeitsplanung der Großen Koalition, was die Grundstücke am Ostpreußendamm 60 angeht (markiert mit M2). Aber für wen geschah das damals? Und wer war die treibende Kraft? Geplant waren hier jahrelang – die in Lichterfelde-Süd so dringend benötigten – Flächen für Sport und Freizeit mit einem modernen Kombi- Schwimmbad, das vom benachbarten Bewag-HKW Lichterfelde kostensparend beheizt werden sollte. Die Planung erfolgte auf Drängen der Bürger seit Januar 1979 auf der rechtlichen Basis des Bebauungsplan- Verfahrens XII-254, für den de facto Planreife bestand, das dann aber am 24.11.1997 urplötzlich ersatzlos eingestellt wurde. Mit Berlins Wiedervereinigung ist das nicht erklärbar.

Mit blauen Ellipsen wurden im amtlichen FNP nachträglich die 3 seit den 90er-Jahren im Ortskern von Giesensdorf im Wildwuchs entstandenen neuen Einkaufszentren (EKZ) markiert: 1 = Ostpreußendamm 67, 2 = Nordwestlich des S-Bahnhofs Osdorfer Straße, 3 = Ostpreußendamm 60 + Ostpreußendamm 137–138.   [Bauskandal in Giesensdorf]  [FNP-Änderung 18/1998 (Daten)]  [FNP-Änderung 18/1998 (PDF)]  (Grafik: 2002 – SenatStadtEntw)




Noch mehr Fragen

Ab 25.8.2004 (
khd). Es ergeben sich weitere Fragen zum Bauskandal in Giesensdorf, z. B.:

  1. In welchem Umfang wurden die Erkenntnisse aus der Steglitzer Bereichsentwicklungs- Planung (verwiesen wird hier ausdrücklich auf die Kapitel „DÖRFER“ und „THERMO- METER-SIEDLUNG“ des BEP für den Ortsteil Lichterfelde) bei den konkreten Planungen bzw. den Baugenehmigungen der 3 Einkaufzentren in Giesensdorf berücksichtigt?

  2. Ist den verantworlichen Politikern bekannt, daß bereits im September 2004 in Lichterfelde- Süd es mindestens einen Leerstand von 22 (in Worten: zweiundzwanzig) Geschäftslokalen gibt (10 in der Thermometer- Siedlung und 12 im Ortskern von Giesensdorf)?

    [Ed-25.04.2006: Und daran hat sich bis 2006 prinzipiell nichts geändert. Im GSW-Einkaufszentrum der Thermometer- Siedlung ist noch 1 Leerstand hinzugekommen. Offensichtlich bemüht sich die GSW nicht um Nachfolger für den Einzelhandel. Diesbezügliche schriftliche Mieteranfragen mit konkreten Vorschlägen zur Überwindung der unhaltbaren Einkaufssituation hat die GSW seit 2004 nicht beantwortet. Offensichtlich sind u. a. die ‚Schreibmaschinen‘ dem Renditestreben des neuen Eigentümers zum Opfer gefallen. Oder es liegt daran, daß sich diese Cerberus-GSW aus Rendite- Erwägungen sowieso komplett von allen gewerblich genutzten Objekten trennen will, wie sie im Herbst 2005 selbst erklärte – vermutlich nichtwissend, daß ein solches Einkaufszentrum zu den unabdingbaren ‚Folgeeinrichtungen‘ einer Stadtrandsiedlung gehört].

  3. War dem Senat und/oder dem Bezirk beim Verkauf des Grundstücks Ostpreußendamm 60 bekannt, daß dort der Käufer (Investor HAPAG GmbH) die Ansiedlung von großflächigem (Discount-) Einzelhandel plante?

  4. Welchen Erlös erzielte der Senat aus diesem Grundstücksverkauf?

  5. Rechtfertigt der erzielte Preis im Zusammenhang mit der Giesensdorfer Baugenehmi- gungspraxis (gleich 3 großflächige Einkaufszentren) die negativen Folgen wie

    • die Zerstörung von gleich zwei Kiezen,

    • den Leerstand von mindestens 22 alteingesessenen Läden in Lichterfelde-Süd (10 in der Thermometer- Siedlung und 12 im Ortskern von Giesensdorf),

    • den Verlust der Lebensmittel-Märkte in der Thermometer- Siedlung (und wer weiß, was hier noch folgt, wenn noch mehr Kaufkraft wegzieht – auch wegen des fehlenden Lärmschutzes an der Anhalter Bahn),

      [Ed-15.01.2006: Der Lärmschutz für die GSW-Hochhäuser fehlt noch immer].

    • die sich – auch aus noch anderen Gründen – erneut abzeichnende Gefahr der völligen Destabilisierung der von vornherein benachteiligten Stadtrandsiedlung,

    • die am Sinngehalt des Gesetzes vorbei nicht praktizierte Bürgerbeteiligung („Betroffene sind die besten Sachverständigen!“) sowie

    • den dadurch bei vielen betroffenen Bürgern erzielten totalen Vertrauensverlust in jegliche Art von Politik (Stichwort: Demokratie-Krise)?

  6. Wann wurde der BVV Steglitz das in Drucksache 13/415 (vom 24.11.1997) vom Bezirksamt Steglitz versprochene „neue Nutzungskonzept für das berlineigene Grundstück Ostpreußendamm 58/60“ vorgestellt?

  7. Im Zusammenhang mit dem Verkauf des landeseigenen Grundstücks Ostpreußendamm 60 soll es „mächtig Ärger“ [so befragte Insider] gegeben haben. Was war dafür der Anlaß? Und welcher Art war dieser Ärger? Wurde darüber das Abgeordnetenhaus von Berlin im Rahmen der Verkaufsgenehmigung informiert?

  8. Wie ernst nehmen eigentlich Steglitzer und Berliner Politiker den Sinngehalt des Bundesbaugesetzes von 1976 (erinnert sei an die im § 1 BauGB vom Gesetzgeber auferlegten Ansprüche)?

  9. Und falls diese das sehr ernst nehmen: Wie konnte es dann in Lichterfelde-Süd überhaupt zu den eklatanten Fehlleistungen der Verwaltung kommen?

  10. Wer waren diese Politiker in Bezirk und Land, die während der Jahre des erheblichen Ansiedlungsdrucks von großflächigen, autogerechten, neuen Einzelhandelsformen (Discountern) auf unsinnige Orte in Lichterfelde-Süd politische Verantwortung für das Gemeinwesen trugen?

  11. Wie teuer ist die Verkehrssignal-Anlage (mit allen Nebenkosten), die im Bereich der Zufahrt zum Einkaufszentrum Osdorfer Straße installiert worden ist? In welcher Höhe haben sich die dort ansässigen Discounter-Ketten an den Kosten beteiligt?

  12. Ist auch eine Verkehrssignal-Anlage in Höhe des Ostpreußendamms 60 bzw. 137/138 (Kaufland und Plus) vorgesehen? Und wurde ggfs. deren Kostenübernahme durch die Discounter wg. der Entlastung des Landes Berlin (Berlin klagt derzeit immerhin vor dem Bundesverfasungsgericht eine Haushaltsnotlage ein!) in den Baugenehmigungen verankert?

Und ab 2006 ergaben sich weitere Fragen zum Bauskandal in Giesensdorf, zum Beispiel:

  1. Kann es sein, daß die gesamte Fehlentwicklung in Lichterfelde-Süd auf der Anwendung des Politikansatzes „Investitionen fördern, nicht behindern“ – egal, was dabei herauskommt – beruht?

    [Ed-15.04.2006: Diese Frage wurde heute ag. eines in der Thermometer- Siedlung verteilten 4-seitigen Wahl- Flugblattes der CDU hinzugefügt, in dem die Thermometer- Siedlung mit ihren vielschichtigen Problemen (u. a. entstandene Parallelgesellschaften, Einkaufszentrum steht seit 2004 leer, der einzig verbliebene BVG-Bus durch die Celsiusstraße ist im Dezember 2004 entfallen, kein Lärmschutz zur Anhalter Bahn, kein Naherholungsgrün, schlechte Freizeit- Angebote für Kinder und Jugendliche) mit keinem Wort erwähnt wird, aber ansonsten auf Sekundärthemen wie den Ausbau der Hildburghauser Straße und dessen Kosten breit eingegangen wird. Fazit: Auch die Berliner CDU hat die Thermometer- Siedlung
    obgeschrieben].

  2. Wie beurteilt der Senat von Berlin aus heutiger Sicht (wie sie in den Tagesspiegel- Artikeln vom 13.4.2006 und 16.4.2006 beschrieben ist) den vor allem vom Verwaltungsbezirk Steglitz- Zehlendorf produzierten Wildwuchs von gleich 3 Einkaufszentren im kleinen Giesensdorf sowie dessen langfristige Folgen für die benachbarte Thermometer- Siedlung? Und wie will der Senat den auch dadurch eingetretenen Fehlentwicklungen ganz konkret begegnen?

    [Ed-26.04.2006: Diese Frage wurde nach der Lektüre der verlinkten Zeitungsartikel ergänzt. Denn der Senat will nun keine Einkaufszentren mehr auf der grünen Wiese].

  3. (weiteres folgt vermutlich, zumal sich der Fall „Ostpreußendamm 60“ durchaus noch zu einem Fall für Transparency International entwickeln könnte).


2006 — Unterdessen wird fleißig gebaut...

Was tut sich am Ostpreußendamm 60?

Die Kaufland-Baustelle der Schwarz/Lidl-Gruppe

    Ostpreußendamm 60 -- Kaufland-Baustellenschild vor HKW Lichterfelde    
^   Bereits Anfang Juli 2005 war am Ostpreußendamm 60 mit der Einrichtung der Kaufland-Baustelle begonnen worden. Offensichtlich waren da bezirkliche Baugenehmigung und die Finanzierung für dieses fragwürdige Projekt auf der grünen Wiese gesichert.   (Foto: 9.1.2006 – khd-996)

    Ostpreußendamm 60 -- Das Kaufland-Fundament ist fertig    
^   Blick vom Ostpreußendamm auf das umstrittene Kaufland-Projekt im Januar 2006. Der strenge Winter hat die Bauarbeiten zum Erliegen gebracht. Weiter geht es demnächst in typischer Plattenbauweise. Ein Eröffnungstermin für die Shopping-Mall vom Discounter-Typ steht noch nicht fest.   (Foto: 9.1.2006 – khd-997)

LICHTERFELDE-SÜD – ab 9.1.2006 (pep). Das gesamte Projekt setzte zusammen mit der PLUS- Großfiliale gegenüber ganz offensichtlich auf den schnellen Autofahrer, der aus Teltow und Umgebung in Brandenburg ‚anreist‘, was auch Verkehrsprobleme hervorrufen wird. Für die örtliche Versorgung wird der ‚Kaufland- Tempel‘ nicht gebraucht. Aber die sozialen Folgen für Giesensdorf, die Thermometer- Siedlung und die Woltmann- Siedlung sind fatal wg. des weiteren Zusammenbruchs des dortigen Rest-Einzelhandels und damit der Nahversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs für rund 10.000 Menschen. Hinzukommt, daß sich die eigennützige Cerberus-GSW in fast 4 Jahren als absolut unfähig erwiesen hat, dem Ladensterben in ihren Siedlungen wirksam zu begegnen – zum Beispiel durch Null- oder sogar negativen Gewerbe-Mieten.

Denn in Lichterfelde- Süd wurde inzwischen das Gerücht laut, daß der Supermarkt von KAISER's an der Osdorfer Straße 98 – von der GSW extra gebaut in den 1980er- Jahren im Rahmen der Sanierung des Gebietes nach dem Städtebauförderungsgesetz – dichtmachen würde, sobald der Discounter Kaufland sich etabliert habe. Damit wäre dann die Thermometer- Siedlung und die Woltmann- Siedlung ohne wohnortnahe Lebensmittelversorgung. Denn der ‚Türken- Laden‘ (unterm Dach der REWE) an der Ecke Osdorfer Straße / Celsiusstraße bot kein ausreichendes Sortiment an Waren und ist vermutlich auch deswegen inzwischen aufgegeben worden. Der unglaubliche Schildbürger-Streich von Landes- und Bezirks- Politikern wäre mit einem Schließen von KAISER's perfekt. Sie haben mit ihrem Handeln ganz sicher nicht dem Gemeinwohl gedient, sondern nur die Partikularinteressen der Lobbyisten bedient.

Und die amtlichen Planer, Genehmigungsbeamte und Politiker haben damit der Ghettoisierung von Lichterfelde- Süd Vorschub geleistet. Sie werden es alle sehr teuer bezahlen müssen, wie bereits anderenorts in Berlin der Offenbarungseid „Rütli-Schule“ usw. zeigt. So wundert es auch nicht, daß der Volksmund vor Ort – insbesondere angesichts des massiven Dummschwatzes der in den letzten Jahren verbreitet wurde – sehr genau weiß: „Die Politik hat die Thermometer-Siedlung längst abgeschrieben.“ [Stichworte: soziale Entmischung, Ladensterben, sozialer Brennpunkt, mangelhafte Jugendfreizeiteinrichtungen, Jugendgewalt, Polizei-Revier geklaut, Buslinien durch die Siedlung geklaut, Arbeitsplätze verhindert, Grünanlage verweigert, kein Lärmschutz bei Anhalter Bahn, kein Bücherbus mehr, keine Post-Filiale, ...]

Sonst hätten sie in den letzten Jahren sehr energisch gegengesteuert und beispielsweise die Thermometer- und Woltmann-Siedlung (inklusive der zugehörigen Gewerbeteile) vom Verkauf an das Cerberus-Konsortium ausgenommen. Kommunal verantwortlich ist für die Entwicklung auch der nunmehr aus 2 Bezirken bestehende Verwaltungsbezirk „Steglitz- Zehlendorf“. Und darin gibt es außerdem noch Zehlendorf- Süd, das ähnlich stiefmütterlich von der Politik behandelt wird. Es wird allerhöchste Zeit, das endlich zu ändern und wieder Politik für die hier lebenden Menschen zu machen.

    Ostpreußendamm 60 -- Das Kaufland-Projekt ist fertig -- 30.11.2006    
^   Am 30. November 2006 war dann die Eröffnung des Kaufland-Markts am Ostpreußendamm 60. Blick auf die Front am Ostpreußendamm. Mit prächtiger Wegwerf-Architektur des beginnenden 21. Jahrhunderts darf sich hier nun Giesensdorf präsentieren – „prägt das Gesicht unseres Bezirks“, wie Baustadtrat und Stadtplanungs-‚Fachmann‘ Stäglin zu sagen pflegt.  (Foto: 30.11.2006 – khd-1153)



Vollendung des Einkaufzentrums Osdorfer Straße

Toyota darf ein Autohaus bauen

    EKZ Osdorfer Straße -- Baustelle des Toyota-Autohauses    
^   Auf der bislang noch freien Fläche des Einkaufszentrums am S-Bhf. Osdorfer Straße, wo bislang hin und wieder zur Freude der Kinder kleine Zirkusse gastierten, sind nun Bauarbeiter angerückt. Hier baut jetzt die M.C.E. Motor Company ein neues Toyota- Autohaus. Offensichtlich müssen sie ihre bisherige Filiale am Ostpreußendamm 139 aufgeben, da dort vermutlich andere bauen wollen.   (Foto: 23.6.2006 – khd-1076)



khd-research publizierte und dokumentierte im Internet:

Entwicklung in Lichterfelde-Süd seit 2004

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