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khd-research notiert:M I T G E B O R G T E M G E L D I N D I E K R I S E
Es ist eine fundamentale Finanzsystemkrise
Und die Finanzkrise geht weiter 30[Teil 1] [Teil 2] [Teil 3] [Teil 4] [Teil 5] [Teil 6] [Teil 7] [Teil 8] [Teil 9] [Teil 10] [Teil 11]
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gibt es auch in07.06.2009 (khd/d-radio). In den letzten Tagen: Arcandor hat einen staatlichen Not-Kredit von 437 Mio. Euro beantragt. Darüber wird morgen bei der Bundesregierung entschieden. Sollte eine Ablehnung erfolgen, muß Arcandor sofort die Insolvenz anmelden und das wird schwere Folgen haben. Auch die Reichenbank Sal. Oppenheim mit ihren Skandal-Fonds könnte durchaus ins Rutschen kommen.
07.06.2009 (khd/info-radio). Europa-Wahl 2009: Die Wahlbeteiligung ist europaweit weiter gesunken. In Deutschland lag die Wahlbeteiligung bei 43,3 %. [Das deutsche Wahlergebnis]
08.06.2009 (khd/nan/d-radio). Beantragte Arcandor-Staatshilfen abgelehnt: Der SoFFin-Lenkungsausschuß lehnt die Übernahme einer Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Mio. Euro für den Arcandor-Konzern ab. Auch der von Arcandor/Karstadt beantragte Not-Kredit über 437 Mio. Euro wird von der Bundesregierung angesichts der vorgelegten Konzepte abgelehnt, aber eine Nachbesserungsfrist von 2 Tagen zugelassen.
Aus Regierungskreisen in Berlin ist zu hören, daß Eigner und Fonds (Sal. Oppenheim + Schickedanz-Clan + Goldman Sachs + Deutsche Bank + Middelhoff) die benötigten 437 Mio. Euro zusammen problemlos aus ihren Portokassen hinblättern könnten, wenn sie denn eine Rettung Arcandors wollten.
09.06.2009 (khd/d-radio). Der Arcandor-Konzern hat heute Mittag Insolvenz angemeldet. Die Eigner und Vermieter wollten also keine Rettung von Karstadt/Quelle. Zu hoffen bleibt, daß der Insolvenzverwalter nun unverzüglich alle Mietverträge für die Kaufhäuser kündigt und auch überprüft, ob deren Verkauf durch Ex-Chef Middelhoff rückabgewickelt werden kann.
10.06.2009 (khd/info-radio). In Deutschland sind bereits 1 Million Menschen auf Lebensmittel- Spenden angewiesen. Und hierzulande steige die Armut weiter, stellt heute der Bundesverband Deutsche Tafeln fest. Inzwischen gibt es 848 Tafeln bundesweit mit rund 2500 Lebensmittel-Ausgabestellen. In den 1980er-Jahren waren es noch Null! Etwa 10 % der in dem Verband zusammengeschlossenen Initiativen bieten fertige Mahlzeiten in Suppenküchen an.
Das sei das Ergebnis einer total verfehlten Sozialpolitik der Bundesregierungen seit Anfang der 1990er-Jahre, analysieren völlig unabhängige Politikbeobachter. Vor allem die auf Zuruf von marktradikalen Wirtschafts-Lobbyisten vom SPD-Kanzler Schröder angerichtete Agenda-2010-Politik sei mit Hilfe von Union und FDP (im Bundesrat) von vornherein nicht sozial ausgewogen angelegt worden. Da wurde aufgrund einer falschen Argumentation und Nichtwissen aus rein ideologischen Gründen (Langzeitarbeitslose sind alle faul und wollen sich nur in die staatliche Hängematte legen) der Abstieg eines Großteils der Mitbürger in die Armut beschlossen. Eine wegweisende Arbeitsmarkt- und Wirtschafts-Politik, die wirklich neuartige Arbeitsplätze hätte schaffen können, wurde hingegen strikt vermieden.
11.06.2009 (khd/dw). Chinas Exporte gehen dramatisch zurück: Die Wirtschaft Chinas ist weit von einer Erholung entfernt. Im Mai sind die Ausfuhren um 26,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen. Tausende Fabriken in China mußten nach dem Konjunktureinbruch schließen, rund 20 Mio. Wanderarbeiter haben bereits nach amtlichen Schätzungen ihren Job verloren. In Deutschland waren die Exporte im April mit 28,7 % so stark eingebrochen wie noch nie.
14.06.2009 (khd/d-funk). SPD hat Regierungsprogramm beschlossen: Auf ihrem Parteitag in Berlin beschließt die SPD einstimmig ihr Regierungsprogramm für die Bundestagswahl im September. Die Sozialdemokraten fordern darin einen Lastenausgleich bei der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise. Sie nahmen aber keine grundsätzliche Korrektur ihrer Politik vor.
15.06.2009 (khd/sp/d-funk). EZB erwartet weitere Verluste bei Banken: Auch wenn sich die Finanzmärkte etwas stabilisiert haben, sei die Finanzkrise keinesfalls vorüber, schreibt die Zentralbank in einem neuen Bericht. Auf die Banken kommen weitere Verluste zu, auch durch ausfallende Kredite. Auch sei das Problem der toxischen Wertpapiere, die die Bankbilanzen belasten, noch immer nicht gelöst. Es seien mindestens noch Abschreibungen von rund 280 Mrd. Dollar nötig, um die Bilanzen zu bereinigen. Der IWF hat hingegen den Abschreibungsbedarf innerhalb der Euro-Zone auf 585 Mrd. Dollar geschätzt.
16.06.2009 (khd/info-radio). Die EU will Druck ausüben, damit sich Deutschlands 7 marode Landesbanken endlich zusammenschließen. Denn hinter den Kulissen wehren sich die Bundesländer noch immer gegen eine solche bevormundende Fusion. Zwar haben die Landes-Chefs in der vorigen Woche einer Landesbanken-Neuordnung bis Ende 2010 zugestimmt, aber ernsthaft daran gearbeitet wird bislang nicht.
17.06.2009 (khd/d-radio). Obama plant eine große Finanzreform: Der US-Präsident will ein Regulierungssystem, das Exzesse verhindert. Des Plan sieht im Kern deutlich mehr Macht und Kontrolle für Notenbank und Regierung sowie einen besseren Schutz der Verbraucher vor. So soll die US-Regierung künftig große Finanzinstitute im Krisenfall übernehmen und abwickeln können. Hedge-Fonds müssen sich ab einer bestimmten Größe registrieren lassen, auch der Derivate-Markt soll Regularien unterworfen werden. [Kritik an den Plänen]
19.06.2009 (khd/d-radio). Die Zahl der weltweit Hungernden beträgt 1,020 Milliarden. Das teilte heute der Generaldirektor der UN-Welternährungsorganisation FAO, Jacques Diouf, in Rom mit. Die enorme Zunahme sei eine Folge der gegenwärtigen Wirtschaftskrise. Eine sehr gefährliche Mischung aus weltweiter Rezession und fortwährend hohen Nahrungsmittelpreisen in vielen Staaten hat Millionen Menschen mehr in Hunger und Armut gestürzt. Damit sei ernsthaft der globale Frieden gefährdet.
20.06.2009 (khd/telepolis). Hirnforscher führen Finanzkrise auf angeborene Gier nach Geld zurück. Der Zukunftsrat für Neuro-Ökonomie erklärt in einer Mitteilung, daß der Auslöser der Finanzkrise unökonomisches Handeln sei und daß Menschen mit genbedingter Finanzgier nicht Finanzinstitute [Ed: oder S-Bahn-Unternehmen] führen sollten. [mehr]
22.06.2009 (khd/d-funk). Im Oktober 2008 hat es einen regelrechten Bargeldboom gegeben. Das teilte heute die Bundesbank mit. Nach dem Lehman-Crash (15.9.2008) wollten hierzulande sehr viele ganz schnell Bares sehen. Am 10. Oktober beobachtete die Bundesbank Auszahlungen in Höhe von 4,2 Mrd. Euro, denen nur Einzahlungen von 1,5 Mrd. Euro gegenüberstanden. Allein im Oktober wurden 11,4 Mrd. Euro in 500-Euro-Scheinen ausgezahlt. Bislang ist kaum ein im Oktober abgehobener 500-er zur Bundesbank zurückgeflossen. Offensichtlich wird in der Krise das Geld privat gehortet.
22.06.2009 (khd/d-radio). In Berlin startet der große Strafprozeß zum Berliner Bankenskandal. Wg. Untreue angeklagt sind 12 Ex-Bankmanager. Dieser Skandal um die BankGesellschaft Berlin (BGB, heute LBBH) gilt quasi als Blaupause für das eklatante, verwerfliche Fehlhandeln von Bankern, das letztendlich zur Finanzkrise führte. [Chronik des Berliner Bankenskandals]
23.06.2009 (khd/d-funk). Die Deutsche Bahn ist ganz schwer von der Krise getroffen worden. Besonders der Güterverkehr ist in den ersten 5 Monaten 2009 um rund 1 Mrd. Euro eingebrochen, aber auch der Personenverkehr brachte Einnahmeverluste von etwa 0,7 Mrd. Euro. Die Bahn will nun mit ihrem Plan React ’09 2 Mrd. Euro an Kosten einsparen. Der sowieso schon miserable Bahnservice werde also weiter absinken, heißt es. [Was bereits der Bahn-Sparkurs bewirkte]
24.06.2009 (khd/info-radio). Die Unabhängigkeit der Bundesbank ist in Gefahr. Die Union plant für nach der Wahl die Zusammenlegung der dem WiMi unterstehenden Finanzaufsicht BAFin mit der Bundesbank. Auch die marktradikale FDP ist dafür.
26.06.2009 (khd/d-funk). Die EZB sagt, daß noch immer nicht alle Risiken bei den Banken beseitigt sind. Die EZB sieht zudem keine Deflationsgefahr, obwohl manche Indikatoren dafürsprechen. Man habe alles im Griff auch die drohende Inflation nach der Krise, sagte gestern in London EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark Kritikern der EZB-Geldpolitik.
29.06.2009 (khd/welt). Die Bundesregierung rechnet mit sozialen Unruhen. Die Bundesregierung stellt sich auf den möglichen Ausbruch sozialer Unruhen als Folge der Wirtschaftskrise ein. Das ist das Ergebnis der Recherchen des Terrorismusexperten Udo Ulfkotte, die der Leipziger Volkszeitung vorliegen. Ulfkotte wird seine Ergebnisse in dieser Woche in seinem Buch Vorsicht Bürgerkrieg! vorstellen.
01.07.2009 (khd/d-radio). Deutsche Banken bewegen sich schon wieder auf Abwegen. Sie holen sich von der Zentralbank billiges Geld (Leitzins derzeit 1 %) und betreiben damit Währungsspekulationen. Und alle Neo-Liberalen finden das auch noch gut. Aber mittelständischen Unternehmen wird von diesen Banken meistens jeglicher Kredit verweigert. Die Bundesregierung muß irgendwie mit ihren Banken-Rettungsplänen etwas sehr grundsätzlich falsch gemacht haben. Warum dürfen Banken währungsspekulieren und die deutsche Wirtschaft noch mehr ruinieren?
02.07.2009 (khd/dw). Der Tourismus schrumpft weltweit. Die Wirtschaftskrise und die Schweinegrippe haben die Lust an Auslandsreisen sehr stark gebremst. Nach UN-Angaben ging der internationale Tourismus im 1. Quartal 2009 um 8 % zurück (in Europa um 10 %). Zwischen Januar und April zog es weltweit 247 Mio. Urlauber ins Ausland, wie die Welttourismusorganisation UNWTO heute mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahrs waren es 269 Mio.
03.07.2009 (khd/d-radio). Der Bundestag beschließt das Bad-Bank-Gesetz. Man wird einmal sagen, daß dieses ein Fehler war. Denn ungeahnte Belastungen kommen auf die Steuerzahler zu, da die Banken noch immer wie Mimosen behandelt werden.
05.07.2009 (khd/d-radio). Die US-Regierung hat die Wirtschaftskrise zunächst unterschätzt. Das gab heute der US-Vizepräsident Joe Bide im ABC-Fernsehen zu. Man habe nicht abgesehen, daß die Arbeitslosenquote auf einen zweistelligen Wert zusteuere. Die Quote erreichte inzwischen 9,5 %.
06.07.2009 (khd/nan). Aus Regierungskreisen sickerte durch, daß Deutschland wegen der Finanzkrise erst frühestens 2013 wieder die Maastricht-Kriterien für die Neuverschuldung (3 % des BIPs) einhalten wird. Danach wird das Maastricht-Defizit für 2009 mit rund 4 % und 2010 mit rund 6 % des BIP veranschlagt sowie 2011 mit rund 5 % und 2012 mit rund 4 %. 2008 hatte das Defizit noch bei nur 0,1 % des BIP gelegen.
07.07.2009 (khd/d-funk). Papst Benedikt XVI. fordert mehr Ethik in der Wirtschaft: In seiner heute veröffentlichten Enzyklika Caritas in veritate (Liebe in Wahrheit), die auf die Finanz- und Wirtschaftskrise eingeht, fordert er auch eine echte politische Weltautorität, um die Wirtschaft zu steuern. Die Vereinten Nationen müßten reformiert werden. Die geforderte Autorität würde aber wohl über die Vereinten Nationen hinausgehen, schreibt der Papst. Sie müßte von allen anerkannt sein, über wirksame Macht verfügen, um für jeden Sicherheit, Wahrung der Gerechtigkeit und Achtung der Rechte zu gewährleisten.
08.07.2009 (khd/dw). Im italienische L’Aquila beginnt ein G8-Gipfel. Hier wurde auch über eine verläßliche weltweite neue Finanzordnung beraten. Erwähnenswert ist aber nur, daß sich die G8 plus China und Indien auf das Klimaziel, bis 2050 den Anstieg der mittleren Erdtemperatur auf 2 Grad zu begrenzen, einigten. Auch die USA stimmten dem zu. Wie das nun aber ganz konkret umgesetzt werden soll, wurde nicht besprochen.
09.07.2009 (khd/d-funk). Die Wirtschaftskrise trifft auch die deutschen Zeitungsverlage, zumal sie im digitalen Internet-Zeitalter noch immer nicht an Orientierung gewonnen haben. In den ersten 5 Monaten des Jahres 2009 sei das Anzeigenvolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 12 % zurückgegangen, sagt der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Gefordert wird als Staatshilfe eine Abschaffung der Mehrwertsteuer für Zeitungen sowie eine starke Reglementierung des Internets.
Die von 166 Verlagen abgegebene Hamburger Erklärung vom 8. Juni 2009 wird als Zeichen der Hilflosigkeit gegenüber den Herausforderungen des digitalen Zeitalters gewertet. Die allermeisten Verlage haben ihre Schularbeiten nicht gemacht und/oder verstehen das Internet noch immer nicht. [Internet noch immer nicht verstanden?] [Vom Alphabet zum Internet]
12.07.2009 (khd/d-radio). Michael Moore (Bowling for Columbine) hat einen neue Dokumentarfilm gedreht: Capitalism A Love Story. Moore setzt sich in dem Film kritisch mit dem Thema Wirtschafts- und Finanzkrise und deren Folgen auseinander. Darin kommen Begierde, Leidenschaft, Romantik und der Verlust von täglich 14.000 Arbeitsplätzen vor. Der Film soll am 2. Oktober 2009 starten.
13.07.2009 (khd/tsp). Der Berliner Tagesspiegel titelt auf der Wirtschaftsseite. Arbeitslosigkeit sprengt die Etats. Die Bundesregierung erwartet für 20092013 zusätzliche Ausgaben für den Arbeitsmarkt in Höhe von 100 Mrd. Euro. Bereits 2010 wird der Bund 30 Mrd. Euro für die Kosten der Arbeitslosigkeit aufbringen müssen. Außerdem wird das Hartz-IV-System beim Bund zusätzlich 46 Mrd. Euro benötigen. In ähnlicher Höhe kommen auf die Kommunen noch einmal Zusatzkosten zu. Für 2010 wird ein Zunahme der Hartz-IV-Berechtigten um rund 1/2 Mio. erwartet.
15.07.2009 (khd/tsp/d-radio). Und die Wall-Street macht ungestört weiter, als sei nichts gewesen: Die US-Bank Goldman Sachs hat im letzten Quartal trotz immer noch anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise einen Gewinn von rund 3,4 Mrd. Dollar eingefahren. Den Managern winken nun erneut riesige Boni. Kritiker sehen Reformen, um Finanzkrisen in Zukunft zu verhindern, in Gefahr. Denn offensichtlich hat Goldman Sachs das nur durch Spekulationen mit den 2008 überlassenen Staatsgeldern erreichen können.
16.07.2009 (khd/dw). Chinas Wirtschaft wächst wieder langsam. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im 2. Quartal binnen Jahresfrist um 7,9 % gewachsen, heißt es. Im 1. Quartal hatte die Rate noch bei 6,1 % gelegen. Dennoch ist das wenig, da Chinas Wirtschaft in den letzten Jahre regelmäßig Wachstumsraten in zweistelliger Höhe vorweisen konnte. China hatte ein Konjunkturprogramm von umgerechnet rund 400 Milliarden Euro aufgelegt.
20.07.2009 (khd/cnn). Obama ist sauer auf die US-Banken: US-Präsident Barack Obama hat den US-Banken vorgeworfen, noch immer keine Lehren aus der Finanzkrise gezogen zu haben. Man hat nicht den Eindruck, daß bei den Leuten an der Wall Street Reue aufkommt für all diese Risiken, die sie eingegangen sind. Auch sei es offenbar zu keinem Kulturwandel oder Verhaltensänderungen als Folge der Krise gekommen. Daher sei die von der Regierung geplante Verschärfung der Finanzaufsicht angemessen.
22.07.2009 (khd/d-funk). Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) empfiehlt der Bundesregierung eines stärkere Besteuerung der Reichen. Etwa 25 Mrd. Euro könnten dadurch jährlich eingenommen werden, wenn sich die Regierung am Durschnitt der Industriestaaten orientieren würde.
23.07.2009 (khd/sp). Brüssel fordert ein schärferes Vorgehen gegen Banken. Banken, die zwar vom Staat gestützt wurden, aber längerfristig nicht überlebensfähig sind, sollen geschlossen werden. Eine Schließung müsse hingenommen werden, um zu verhindern, dass ein Geldhaus dauerhaft am staatlichen Tropf hänge, sagt der zuständige Generaldirektor Philip Lowe.
Die Banken müßten nach den neuen Vorgaben mit einem Streßtest zunächst ihre Schwächen offenlegen. Sie müßten etwa reinen Tisch machen mit ihren Schrottpapieren und ein Konzept zu deren Entsorgung vorlegen. Zur Sanierung kann die ganze Bank in einem offenen Bieterverfahren verkauft werden.
24.07.2009 (khd/d-funk). Die USA wollen nun auch eine zentrale Finanzaufsichts-Behörde schaffen. Sie soll wie in Deutschland die BAFin für die Aufsicht von Banken, Versicherungen und alle anderen Finanzinstitute zuständig sein. Bislang gibt es in den USA nur eine staatliche Aufsicht über Banken. Die neue Behörde soll die Risiken aller systemrelevanten Institute (auch von AIG) überwachen und bei Problemen frühzeitig Alarm schlagen. Andernfalls würden die Institute wieder sehr schnell hohe Risiken eingehen im Vertrauen darauf, im Zweifel von der Regierung gerettet zu werden.
26.07.2009 (khd/kurier.at). Finanzkrise löst in Dubai Massen-Exodus aus. Wer in Dubai seine Schulden nicht bezahlen kann, wandert ins Gefängnis. Angesichts dieser Situation verlassen Tausende Hals über Kopf das nur auf Treibsand gebaute arabische Land.
27.07.2009 (khd/tsp). Die Kreditvergabe an Unternehmen der Real-Wirtschaft in den 16 Euro-Ländern ist in der letzten Zeit im Rekordtempo geschrumpft. In Deutschland sind besonders die Landesbanken und Privatbanken knauserig. Genossenschaftlich organisierte Banken und die Sparkassen vergeben noch eher Kredite. Die große Frage ist nun: Wie soll eigentlich die Wirtschaft wieder wachsen, wenn den Unternehmen das Investieren durch Banken erheblich erschwert wird?
28.07.2009 (khd/info-radio). Auch die Deutsche Bank macht schon wieder Riesen-Gewinn: Im 2. Quartal 2009 erzielte die Deutsche Bank einen Überschuß von 1,1 Mrd. Euro. Profitiert hat die Bank vor allem beim Geschäft mit den Staatsanleihen und von Spekulationen an der Börse.
30.07.2009 (khd/d-radio). Die marode HRE war wie eine Atombombe: Im Untersuchungsausschuß zur Klärung der Vorgänge um die Hypo Real Estate (HRE) sagte heute Bundesbank-Chef Weber, daß eine staatliche Nicht-Rettung der HRE eine Kernschmelze der Finanzwirtschaft produziert hätte. Vorher hatte schon BAFin-Chef Sanio festgestellt, daß eine Pleite des Saustalls HRE Ende September 2008 den sofortigen Untergang des Weltfinanzsystems bedeutet hätte.
Um so mehr wundert es, daß die Banken noch immer schalten und walten können, wie sie wollen. Es ist noch immer zu keiner wirksamen Regulierung gekommen. Sind die neo-liberalen Kräfte tatsächlich so stark oder regiert die Dummheit?
01.08.2009 (khd/dw). Das US-Repräsentantenhaus hat gestern Abend ein Gesetz zur Begrenzung von Manager-Boni verabschiedet. Danach können künftig US-Aufsichtsbehörden Boni kürzen. 9 der größten US-Banken, die allesamt hohe staatliche Hilfen kassiert hatten, haben auch im Krisenjahr 2008 Boni in Höhe von 32,6 Mrd. $ ausgeschüttet davon allein 4,8 Mrd. $ durch Goldman Sachs. Über das Gesetz muß nun noch der US-Senat entscheiden.
03.08.2009 (khd/tsp). Im Juli 2009 ist der Verbraucher-Preisindex erstmals seit 22 Jahren wieder unter Null gesunken. Nach vorläufigen Zahlen beträgt diese Inflationsrate in Deutschland 0,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem die Preise für Lebensmittel sind gefallen. Experten rechnen damit, daß der Index bis zum Herbst weiter absinken könnte, d. h. daß die Preise weiter fallen werden.
04.08.2009 (khd/foc). Im Artikel Die sieben Todsünden wider die Marktwirtschaft weist Wirtschaftsprofessor Hartmann-Wendels (Köln) auf Focus-Online auf die vielen Verstöße in den letzten Jahren gegen Ludwig Erhards Prinzipien hin, die Schuld an der Finanzkrise und deren Folgen sind.
Ludwig Erhard sah schon in den 1950er-Jahren seine Grundsätze in Gefahr. Dazu gehörte auch, daß sich die Marktteilnehmer ehrlich verhalten. Prophetisch beschrieb er damals die Gefahrenherde, die zu unserer heutigen Krise führten: Ein Bankier muß wissen, daß er auch mit dem Geld der kleinen Leute hantiert. Die Leute leben nicht von den Bilanzposten, sondern von dem Geld, das dahintersteht. Und wenn kein Geld mehr dahintersteht, dann sind die Bilanzposten Lügen.
05.08.2009 (khd/info-radio). Der Energieverbrauch ist mächtig eingebrochen. In der Wirtschaftskrise sei die Energie-Nachfrage um insgesamt 8 % im Vergleich zu 2008 zurückgegangen, teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit. Mit 262 Mrd. kWh wurde rund 6 % weniger Strom nachgefragt als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Gasabsatz sank im selben Zeitraum sogar um rund 11 % auf 469 Mrd. kWh. Nach BDEW-Schätzungen ist der Gas- und Stromabsatz im ersten Halbjahr 2009 allein in der Industrie um rund 15 % zurückgegangen.
06.08.2009 (khd/sp). Die Krisenkompetenz der Bundesregierung ist gesunken. Das Vertrauen der Bürger in die Bundesregierung bei der Bewältigung der Krise ist deutlich gesunken. Das ergab eine Umfrage der Meinungsforscher von Infratest dimap für die ARD. Nur noch 62 % sagen: Ich vertraue darauf, daß die Bundesregierung uns gut durch die Krise führt. Dies sind absolut 8 % weniger im Vergleich zum Juni. 36 % haben kein Vertrauen in die Krisenkompetenz der Bundesregierung.
Mehr als 3/4 der Bundesbürger sind der Meinung, daß die Banken aus der Wirtschafts- und Finanzkrise keine Konsequenzen gezogen haben. Auch das ist das Ergebnis des heute veröffentlichten Deutschlandtrends der ARD. Demnach sind 81 % der Deutschen der Ansicht, daß die Banken nichts aus der Krise gelernt haben und weitermachen wie bisher. 91 % glauben zudem, daß sich eine weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise wiederholen könnte. Den Angaben zufolge finden 88 %, daß "die Folgen der Krise die kleinen Leute ausbaden müssen".
10.08.2009 (khd/sp/d-funk). Die Privatbank Sal. Oppenheim steht vor einer Übernahme durch die Deutsche Bank. Die Millionärsbank hat Kriege und Revolutionen überlebt die Finanzkrise nicht. Sie geriet 2008 in die roten Zahlen. Nun muß die Privatbank auf Druck der BAFin ihre Eigenständigkeit aufgeben. Sie verfügt nicht mehr über genügend Eigenkapital. Die Deutsche Bank prüft derzeit eine Teilübernahme, ansonsten müßte Sal. Oppenheim von der Bankenaufsicht geschlossen werden (in den USA wäre das längst passiert). [mehr]
10.08.2009 (khd/d-funk). Baden-Württemberg steckt besonders tief in der Wirtschaftskrise. Im Jahr 2009 werde dort das BIP um 8 % (preisbereinigt) schrumpfen, wie heute das Statistische Landesamt in Stuttgart mitteilte. Das sei das schlechteste Ergebnis, das Deutschlands Südwesten nach 1945 erlebt, heißt es.
11.08.2009 (khd/info-radio). In Deutschland sind die Netto-Reallöhne seit 2004 gesunken. Diese Entwicklung sei in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik einmalig, teilt das DIW in Berlin mit. Der zurückliegende Aufschwung sei bei den Lohnbeziehern nie angekommen. [mehr]
12.08.2009 (khd/d-funk). Der Arcandor-Konzern muß zerschlagen werden, denn es hat sich bislang kein Aufkäufer für Karstadt, Quelle & Co gefunden.
13.08.2009 (khd/d-radio). Die WestLB gründet die 1. Bad Bank. Die Landesbank hat bereits einen entsprechenden Antrag beim staatlichen Rettungsfonds SoFFin gestellt. Die WestLB will in diese Zweckgesellschaft faule Wertpapiere in Höhe von 6,4 Mrd. Euro auslagern.
13.08.2009 (khd/d-radio). Deutschlands BIP soll im 2. Quartal 2009 um 0,3 % angestiegen sein. Im 1. Quartal war das BIP noch um 3,5 % gefallen. Interessengesteuerte Experten wollen darin schon das Ende der Krise erkannt haben.
15.08.2009 (khd/welt). Hamburgs Hafen ist schwer von der Wirtschaftskrise getroffen. Im 1. Halbjahr 2009 brach der Container-Umschlag um fast ein Drittel ein. Nur insgesamt 3,6 Millionen Standard-Container (TEU) wurden von Januar bis Juni ver- und entladen das sind 28,7 % weniger als ein Jahr zuvor.
15.08.2009 (khd/d-radio). Heute schließen die letzten HERTIE-Kaufhäuser für immer. Hingerichtet wurden die Traditions-Warenhäuser durch Karstadt und angloamerikanische Heuschrecken (Hedge-Fonds, Private-Equity-Fonds).
16.08.2009 (khd/tsp). Im Berliner Tagesspiegel drückt sich ein CDU-Finanzpolitikexperte Otto Bernhardt um die Beantwortung der alle Bürger bewegenden Frage Warum dürfen die Banken weitermachen wie vor der Krise?: Er spricht aber nur von der Angemessenheit der Vorstandsbezüge (Boni etc.). Das ist zwar auch ein Problem, aber nicht das zentrale Problem der großen Finanzmarkt- und Banken-Krise.
Und das zeigt sehr deutlich, daß die Union kaum etwas energisch regulieren will. Für sie reicht das Schlagwort von der Sozialen Marktwirtschaft aus, ohne genau zu sagen, was das denn heute eigentlich bedeutet. Die SPD hat zwar konkretere Vorstellungen, wie die neue Bankenlandschaft aussehen müßte, hat aber nicht mal einen Vorstoß unternommen, um das Ziel zu erreichen.
17.08.2009 (khd/sz). Deutschland sei noch nicht über den Berg, sagt Bundesbank-Chef Axel Weber. Die Lage der Banken sei weiterhin labil. Ich warne davor, das Ende der Finanzkrise zu früh auszurufen, sagte Weber der Süddeutschen Zeitung. Namhafte Ökonomen hatten in den letzten Tagen die Rezession für vorbei erklärt. Er sprach von der tiefen Rezession, in der sich die Wirtschaft befinde. Sie habe erst die Talsohle erreicht, sagte Weber. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, wenn die Kurzarbeit ausläuft, mahnte er, das könnte den Konsum belasten.
19.08.2009 (khd/tsp). Die Bundesregierung erwartet für Anfang 2010 eine weitere Verschlechterung der Kreditversorgung für deutsche Unternehmen und will gegensteuern.
20.08.2009 (khd/d-funk). Immer mehr Deutsche können von ihrer Arbeit kaum noch leben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts arbeiten derzeit bereits 22,2 % der Erwerbstätigen in prekären Beschäftigungsverhältnissen wie Mini-Jobs, Teilzeit-Jobs, Zeitarbeit oder befristeter Arbeit das sind 7,7 Mio. Menschen. Im Vorjahr waren es noch 16,2 %.
21.08.2009 (khd/tsp). Der HRE-Untersuchungsausschuß des Bundestags hat ein Ergebnis. Darüber schreibt Harald Schumann im Berliner Tagesspiegel: Die Hauptbegünstigten, die Gläubiger der überschuldeten HRE, zahlen keinen Cent für deren Sanierung, sondern verdienen noch daran. Und bei der ganzen Rettung der Großbank Hypo Real Estate (HRE) hat sich die Bundesregierung nicht mit Ruhm bekleckert. [mehr]
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21.08.2009 (khd/fr/d-funk). Die Deutsche Bahn leidet sehr unter der Wirtschaftskrise. Im 1. Halbjahr 2009 gingen der Umsatz und Gewinn gegenüber dem Vorjahr stark zurück, stellte gestern der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube in Frankfurt am Main fest. Im Transportbereich sei der Umsatz um 14 % auf 14,3 Mrd. Euro gedrückt worden. Das operative Ergebnis sei damit um fast 53 % auf 671 Mio. Euro gefallen. Die Zahl der Kurzarbeiter werde in den kommenden Monaten bei der Bahn steigen.
24.08.2009 (khd/d-funk). GM, die Opel-Mutter, will offensichtlich Opel behalten. Mit endlosen Verhandlungen wird die Bundesregierung von GM an der Nase herumgeführt, und die lassen sich das gefallen.
25.08.2009 (khd/zt). Die Wirtschaftskrise stürzt öffentliche Haushalte ins Defizit. In Deutschland ist im 1. Halbjahr 2009 ein Haushaltsdefizit von rund 17,3 Mrd. Euro angefallen. Grund sind geringe Steuereinnahmen und hohe Ausgaben in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Im 1. Halbjahr 2008 wurde noch ein Überschuß von gut 7 Mrd. Euro erwirtschaftet. In den folgenden Monaten wird das Defizit weiter ansteigen.
26.08.2009 (khd/faz). Im Artikel Eine provozierende Sicht der Finanzkrise beschreibt die FAZ die Erkenntnisse der US-Ökonomen Ricardo J. Caballero und Pablo Kurlat vom MIT, die diese jetzt auf einer geldpolitischen Fachtagung vorgetragen haben. Sie gingen der Frage nach, wie überhaupt aus einer Krise auf einem Teil des amerikanischen Immobilienmarktes (Subprime-Krise) eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise entstehen konnte. Die MIT-Ökonomen kommen zum Ergebnis, daß die Weltkrise ganz andere Ursachen als die bislang genannten hat.
Sie verweisen auf die 3 Einflüsse Negativ-Überraschungen an den Finanzmärkten, eine starke Konzentration von Risiken in hochverschuldeten Unternehmen der Finanzwirtschaft und das unzureichende Reagieren der Politik in der aufkommenden Krisensituation. Die Autoren von The ‚Surprising‘ Origin and Nature of Financial Crises behaupten, daß die weltweite Finanzkrise durch schnelle Garantien der Notenbanken abwendbar gewesen wäre.
27.08.2009 (khd/d-radio). In Japan ist die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit dem 2. Weltkrieg gestiegen (3,6 Mio.). Deutschland steht in den kommenden Monaten ähnliches noch bevor, denn nicht nur die deutsche Auto-Industrie ist Kandidat für reichlich Entlassungen.
28.08.2009 (khd/d-radio). Seit etwa Anfang Juli 2009 häufen sich positive Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft, woraus manche schon das Ende der Krise ablesen wollen. So steigen von Woche zu Woche irgendwelche Klima-Indizes, von denen man nicht so genau weiß, ob sie überhaupt objektiv gemessen worden sind.
Kritiker sagen: Das sei weitgehend nur dem Bundestagswahlkampf geschuldet. Denn es sei gut für die Union (CDU + CSU) und die FDP, wenn jetzt (von Lobbyisten) überall Optimismus verbreitet werde. Aber das ‚dicke Ende‘ der Krise komme erst noch.
29.08.2009 (khd/ard). Die Kommunen schlagen Alarm: Die deutschen Städte und Gemeinden erwarten für 2010 ein Defizit von mehr als 10 Mrd. Euro in ihren Kassen. Dabei lägen die Kassenkredite der Gemeinden schon jetzt bei 31,6 Mrd. Euro, mehr als fünfmal so hoch wie vor 10 Jahren, sagte Städtetags-Präsidentin Petra Roth (CDU) der Leipziger Volkszeitung. In diesem Umfang müssen Kommunen Aufgaben wie Kinderbetreuung oder Sozialhilfe auf Pump finanzieren. Die Städte, besonders Städte mit hoher Arbeitslosigkeit, brauchen deshalb dringend eine nachhaltige Entlastung bei den Sozialausgaben durch Bund und Länder.
31.08.2009 (khd/welt). Die Finanzkrise kostet die Weltwirtschaft bis zum Jahresende 2009 voraussichtlich mehr als 10 Billionen Dollar (7,3 Billionen Euro = 7.300 Mrd. Euro). Das ergibt sich aus einer Studie der Commerzbank Research, über die Die Welt berichtet. Damit würden sich die Kosten auf etwas mehr als 1500 Dollar pro Mensch weltweit belaufen.
01.09.2009 (khd/welt). In der konservativen Welt zieht Olaf Gersemann unter dem Titel Was ziehen wir für Lehren aus der Finanzkrise? eine erste Zwischenbilanz der Finanzkrise. Der Autor kommt zu dem Schluß, daß der Weltbürgerkrieg abgesagt sei und die Systemfrage zu stellen wird wieder Außenseitern überlassen werden können, wenn jetzt nur die richtigen Schlüsse aus dieser historischen Finanz- und Wirtschaftskrise gezogen werden.
02.09.2009 (khd/d-funk). Abwrackprämie ist Aus. Heute sind die von der Bundesregierung im Rahmen des Konjunkturpakets II zur Verfügung gestellten Zuschußmittel von 5 Mrd. Euro total aufgebraucht. 2 Mio. haben sich hierzulande ein neues Auto gekauft, um dafür den staatlichen Zuschuß von 2500 Euro kassieren zu können.
03.09.2009 (khd/faz/d-radio). Immer mehr Anleger haben das Vertrauen in Hedge-Fonds verloren. Diese kämpfen inzwischen gegen enorme Mittelabflüsse. So haben beispielsweise Kunden der New Yorker Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management 5,5 Mrd. Dollar oder 71 % des insgesamt verwalteten Vermögens aus zwei Hedge-Fonds abgezogen. Nach Infos der Hedge-Fonds Research sind weltweit fast 300 Mrd. Dollar aus Hedge-Fonds abgezogen worden. Auf dem Höhepunkt ihres Aufschwungs vor 2 Jahren hatten Hedge-Fonds fast 1.900 Mrd. Dollar an Bord.
07.09.2009 (khd/welt). In der Weltwirtschaftskrise zeigte sich, daß Deutschland volkswirtschaftlich schlecht aufgestellt ist. Denn die Krise hat Deutschland besonders hart getroffen. In keinem anderen europäischen Land außer Ungarn schrumpfte die Wirtschaft stärker. Die deutsche Wirtschaft brach beim BIP wg. der enormen Exportabhängigkeit zwischen dem 1. Quartal 2008 und dem 1. Quartal 2009 um 6,9 % ein. In Frankreich waren es hingegen nur 3,4 %, in Polen sogar noch +2,2 %. Weltweit ging das BIP in der Türkei (14,2 %), in Rußland (11,0 %) und in Singapur (9,9 %) am stärksten zurück.
10.09.2009 (khd/d-radio). General Motors (GM) will Opel nun doch an Magna verkaufen. GM wird aber an New Opel einen Minderheitsanteil von 35 % behalten sowie Vorstandsposten und ein Rückkaufsrecht erhalten. Das ist das Ergebnis des wochenlangen Tauziehens. Der GM-Verwaltungsrat hat dem in der letzten Nacht zugestimmt, ebenso die Opel-Treuhand in Deutschland.
In Deutschland sollen alle Opel-Werke erhalten bleiben. Der österreichische Autozulieferer Magna will aber europaweit rund 10.000 Stellen streichen. Offen sind viele Fragen, darunter auch, wie sich die EU-Kommission zu den deutschen Opel-Staatshilfen in Höhe von 4,5 Mrd. Euro verhalten wird, ohne die ein Überleben von Opel kaum vorstellbar ist. Hier steht der Vorwurf des Staats-Protektionismus im Raum.
11.09.2009 (khd/d-funk). Die Finanzkrise hat reichlich Betrüger angezogen. Wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mitteilt, gibt es eine Zunahme von Fällen des Kapitalanlage-Betrugs, der Marktmanipulation und des Insider-Handels. 2008 richtete die Wirtschaftskriminalität in Deutschland einen Schaden von 3,4 Mrd. Euro an. Es wird erwartet, daß dieser 2009 deutlich ansteigen wird.
13.09.2009 (khd/tsp). Der Berliner Tagesspiegel dokumentiert auf Seite 22 und 23 Die Liste der Geretteten die geheime Liste der Gläubiger der maroden Hypo Real Estate (HRE). Die HRE konnte nur mit Steuergeldern in zweistelliger Milliardenhöhe überleben, womit auch die vielen Kreditgeber der HRE gerettet wurden. Dennoch wollte die Bundesregierung nicht, daß diese Begünstigten bekannt wurden.
13.09.2009 (khd/bz). Prof. Straubhaar vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) erklärt in der Berliner B.Z. am Sonntag (Seite 3) die Talsohle der Krise für durchschritten. Er rechnet im kommenden Winter mit 4 Mio. Arbeitslosen und im Frühjahr dann mit einer Erholung am Arbeitsmarkt.
13.09.2009 (khd/ard). Das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD) geriet zu einem gemütlichen ‚TV-Duett‘ einer Werbung für die Fortsetzung der Großen Koalition. Zwar beschwor die Kanzlerin noch eine ‚Tigerenten-Koalition‘ (Schwarz-Gelb), aber inhaltlich argumentierte sie bei manchen Themen wie Krisen-Politik, Gesundheitspolitik und Arbeitsmarkt-Politik eher im Sinne der Politik der Großen Koalition. Im übrigen, es ist Kindergarten wenn die Fragen von gleich 4 eitlen TV-Moderatoren gestellt wurden, wo doch ein erfahrener Nicht-TV-Journalist (oder ein Mr. Nowottny) vollauf ausgereicht hätte. [Bild-Impressionen]
14.09.2009 (khd/sp). Die Deutsche Finanzwirtschaft mag die FDP und spendete in den letzten Monaten reichlich. Das berichtet heute der Spiegel (Heft 38/2009, Seite 22). Unter den Spendern sind die Deutsche Bank sowie die Deutsche Vermögensberatung. Für SPD und Grüne war bei den Großspendern der Finanzbranche nichts zu holen, heißt es.
14.09.2009 (khd/welt/d-radio). Obama geißelt die Maßlosigkeit der Wall Street. In New York hält US-Präsident Barack Obama eine Rede zur Lage auf den Finanzmärkten: Leider gibt es aber einige in der Finanzbranche, die diesen Moment falsch verstehen. Anstatt die richtigen Lehren aus der Pleite von Lehman und dieser Krise zu ziehen ignorieren sie diese. Und dies machten sie nicht nur auf eigene Gefahr, sondern zu Lasten des ganzen Landes.
Die Leute an der Wall Street könnten nicht weiterhin Risiken eingehen, ohne sich Gedanken um die Folgen zu machen, da sie darauf vertrauten, daß der amerikanische Steuerzahler im Notfall einspringen werde. Noch in diesem Jahr will Obama die größte Finanzmarkt-Reform seit 70 Jahren verabschieden.
15.09.2009 (khd/d-radio). 1 Jahr nach dem Lehman-Crash: In Frankfurt am Main demonstrierten Sparer vor dem Gebäude der früheren Lehman-Brothers-Bank gegen den Raub ihrer Ersparnisse. Sie fordern Entschädigung.
Mit der Lehman-Pleite wurde die internationale Finanzkrise, die bereits seit Anfang 2007 schwelte, im September 2008 in der Öffentlichkeit schlagartig sichtbar. Sie entwickelte sich dann sehr schnell zur Weltwirtschaftskrise II. Und ab Herbst 2009 (nach der Bundestagswahl) wird sie auch in Europa immer mehr zur großen Sozialkrise mutieren. Die OECD prognostiziert für Deutschland eine Arbeitslosenquote von um 12 % für 2010, was über 5 Mio. Arbeitsloser bedeuten wird. [Die Lehman-Lügen Die wahre Krisen-Story]
[weiter] siehe auch: ![]()
Finanzkrise 2007-2009
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
C D U - S P E N D E N - S K A N D A L S C H R E I B E R S B L O C KDie verlorene Ehre des Kaufmanns
Ein letzter Essay von Lord Ralf Dahrendorf über Ursachen der Krise und Schlussfolgerungen für Wirtschaft und Staat.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 12. Juli 2009, Seite xx (Wirtschaft) von RALF DAHRENDORF. [Original]D ie Wirtschaften der Welt erleben am Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts eine tiefe Krise. Sie begann als Finanzkrise, strahlte dann aber auf nahezu alle Zweige der ("realen") Wirtschaft aus und erfasste am Ende auch soziale und politische Strukturen. Arbeitslosigkeit, Wohlstandseinbußen, Zukunftsangst sind nur einige der Folgen einer Krise, deren Ende zum Zeitpunkt dieser Analyse noch keineswegs absehbar ist. So sind alle wirtschaftlichen, sozialen und politischen Prognosen mit mehr als der üblichen Vorsicht zu genießen.
Die Ursachen der Krise lassen sich auf mancherlei Weise bestimmen. Technisch stand am Anfang eine Finanzkrise, die aus der um sich greifenden Versuchung folgte, Geld nur mit Geld und nicht mit der Wertschöpfung von Gütern und Dienstleistungen zu "verdienen". Die Versuchung wurde gefördert durch ein politisches Klima der Deregulierung von Märkten, in der viele die angemessene Antwort auf die Chancen der Globalisierung sahen. Die Mentalität, die die Verrohung der Wertschöpfung ohne Wert förderte, breitete sich in vielen Gesellschaften aus. Sie wurde besonders krass in der spekulativen Entwicklung der Preise von Immobilien insbesondere (nicht nur) in den USA, wo denn auch die Blase der Spekulation zuerst platzte und ihren toxischen Inhalt verströmte.
"Turbokapitalismus" ist eine von mehreren Beschreibungen der "Ordnung", die nun in die Krise geraten ist; es gibt auch andere Begriffe ("Kasino-Kapitalismus", "Raubtierkapitalismus"). Mir scheint ein wichtiges Glied in der Ursachenkette der Krise dies zu sein, dass nicht nur mit Geld Geld "verdient" wurde, sondern dass dies mit geborgtem Geld geschah. Allerorten trat an die Stelle des klassischen "Sparkapitalismus" ein "Pumpkapitalismus", der von nicht mehr "bedienbaren" privaten Hypotheken bis zum Handel mit sogenannten strukturierten Finalprodukten ("Derivaten") reichte. Viele Sitten des ehrbaren Kaufmanns und des guten Haushaltens gingen dabei über Bord.
Zur Person
DER SOZIOLOGE
Der Soziologe Lord Ralf Dahrendorf ist am 17. Juni im Alter von 80 Jahren gestorben. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel war er einer der großen Intellektuellen und Vordenker Europas. Bundespräsident Horst Köhler bescheinigte ihm analytische Kraft, ideengeschichtliches Wissen und Wirklichkeitssinn. Dieser Text erschien posthum in dem Sammelband Wer zahlt die Zeche Wege aus der Krise (Herausgeber: Jürgen Rüttgers, Verlag Klartext, Essen).
"Wer ist schuld?" ist also eine einfache Frage. Gäbe es eine unzweideutige Antwort, dann wäre auch Abhilfe nahe. Es sind eben nicht nur Betrüger mit ihren Pyramidenverkäufen oder auch von hohen Renditen verführte Bankiers mitsamt ihren Beratern, sondern ebenso ihre Kunden, die sich nicht mehr mit Renditen von 4 oder 5 Prozent für ihre Ersparnisse begnügen wollten. Dennoch trifft die Verantwortlichen im Finanzsektor und darüber hinaus eine besondere Verantwortung. Es lässt sich argumentieren und wird hier argumentiert , dass eine Dimension der Ursachen der Krise bei vorherrschenden Einstellungen, ja Mentalitäten zu finden ist. Es gibt offenbar Mentalitätsmoden mit weitreichenden realen Folgen. Nicht nur tonangebende Gruppen werden von diesen erfasst, sondern breite Schichten der Gesellschaft. Die Krise erweist vor allem das Scheitern einer solchen Mentalität. Das macht Abhilfe zu weit mehr als einem technischen Problem.
Was hat das mit der Wirtschaftsordnung zu tun? Viel. Die soziale Marktwirtschaft ist ja nicht nur Wettbewerb plus Sozialversicherung. Aus gutem Grund hat Ludwig Erhard in seinen Reden immer wieder zum "Maßhalten" aufgerufen. Wohlstand für alle setzt auch eine Gesellschaft voraus, in der der Beitrag der Einzelnen zum allgemeinen Wohl hoch bewertet wird.
Dafür sind vor allem zwei praktische Maximen wichtig. Beide bedeuten übrigens eine Erneuerung der Werte, die vor nicht allzu langer Zeit gang und gäbe waren. Die eine Maxime betrifft die Abkehr vom Shareholder Value als bevorzugtem Erfolgskriterium. Aktionäre, überhaupt Eigentümer, sind nur eine Bezugsgruppe des wirtschaftlichen Handelns. Es gibt andere Stakeholder, also Gruppen und Instanzen, für die der Erfolg von Unternehmen ebenso wichtig und deren Fortbestand eher wichtiger ist. Dazu zählen Zulieferer und Kunden, vor allem aber Beschäftigte und viele im Umfeld von Unternehmen Wohnende und Tätige. Auch wenn diese nicht förmlich mit dem Unternehmen und seiner Führung verbunden sind, haben sie doch ein begründetes Interesse an dessen Wohl und Wehe. Dieses Interesse muss im Handeln der Wirtschaftenden zur Geltung kommen.
Die zweite Maxime nötigen Verhaltens lässt sich in ein Wort fassen: Verantwortung. Das ist nicht nur ein moralisches Ideal, sondern durchaus praktisch zu verstehen. Verantwortung hat etwas mit der Zeitspanne zu tun, in der und für die Entscheidungsträger denken und handeln. Eines der Probleme der jüngeren Wirtschaftsentwicklung liegt in der extrem kurzfristigen Perspektive der Handelnden. Vom short selling strukturierter "Wert"papiere bis zur absurd kurzen Zeitbasis zur Berechnung von Managereinkommen hat eine Atemlosigkeit um sich gegriffen, in der Verantwortung nicht gedeihen kann. Verantwortung verlangt Nachhaltigkeit, also das Denken in zumindest mittleren Fristen.
Der Begriff der Marktwirtschaft hat nach wie vor einen guten Klang. Was das Beiwort "sozial" bedeuten soll, ist allerdings nicht immer klar. Der hier angedeutete Gedanke ist eine Marktwirtschaft im sozialen Kontext, die Nachhaltigkeit und Verantwortung als Leitfaden akzeptiert. Mit weniger beliebten, aber ebenso zutreffenden Worten kann man auch von einem verantwortlichen Kapitalismus sprechen.
Die gesellschaftlichen Folgen der Krise sind noch durchaus unklar. Dabei betreffen sie sowohl die Eliten als auch die Mehrzahl der Bürger. Was die Eliten betrifft, so ist für die letzten Jahrzehnte vor allem ihre Abgehobenheit kennzeichnend. Die Führungsgruppen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen haben sich weit von den ihnen Anvertrauten entfernt. Hier vor allem hat die sich öffnende Schere der Einkommensentwicklung ihre Bedeutung. Zwischen führenden und Normalbürgern hat sich eine enorme Lücke aufgetan, die die Verbindung zwischen beiden zerstört. Das gilt nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in politischen Strukturen, in Universitäten und Sportverbänden, ja in Verbänden und Organisationen generell. Es ist eine Art globale Elite entstanden, deren Mitglieder vornehmlich aufeinander blicken und nicht auf diejenigen, für die sie Verantwortung tragen. Hier Abhilfe zu schaffen ist eine der Aufgaben der Bewältigung der Krise.
Das ist nicht einfach, aber auch nicht aufschiebbar. Der Widerstand gegen die abgehobenen Eliten wächst. Er richtet sich zunächst gegen Symbolfiguren, die durch Steuerflucht oder exzessive Pensionsforderungen auffallen. Dahinter wird immer deutlicher eine verbreitete Wut erkennbar, eine Art Volkszorn, der sich in gewaltsamen Demonstrationen Ausdruck verschafft. Einstweilen scheint es, als ob die Krise nicht zu einer nennenswerten Stärkung extremer politischer Parteien führt. Wohl aber führt sie zu zunehmenden Beeinträchtigungen der öffentlichen Ordnung. Wo immer Menschen in großer Zahl zusammenkommen, wird ein Potenzial der Gewalt erkennbar. Französische, in jüngerer Zeit auch griechische Erfahrungen können leicht auf andere Länder überspringen.
Diese Mischung von abgehobenen Eliten und gewaltbereiten Massen weist auf einen Zerfall des sozialen Zusammenhalts hin, der durch nicht direkt der Krise zuzuordnende Faktoren wie die misslingende Integration von Zuwanderern der zweiten Generation noch verstärkt wird. Hier vor allem zeigen sich Folgen der Arbeitslosigkeit. Arbeitslose sind bekanntlich keine Revolutionäre. Sie schwanken in der Regel zwischen Apathie und Selbstmitleid. Wohl aber sind sie mobilisierbar, wenn Situationen das erlauben und populistische Führungsgestalten es schüren. Arbeitschancen sind also der Schlüssel für den sozialen Zusammenhalt, zu dem allerdings auch die Wiederankopplung der Eliten gehört.
Was ist die Rolle der staatlichen Instanzen bei der Bewältigung der Krise und vor allem danach? Die Frage ist keineswegs so leicht zu beantworten, wie diejenigen meinen, die behaupten, "der Markt hat seine Schuldigkeit (mehr schlecht als recht) getan, jetzt muss der Staat zeigen, was er kann". Manche nennen das auch noch Keynesianismus. Tatsächlich dürfte das blinde Vertrauen in den ("guten") Staat vornehmlich negative Folgen haben. Protektionismus, Korruption, Verschuldung, unsachliches (z. B. wahlkampfbestimmtes) Handeln sind nur einige mögliche Sünden des Staates. Die folgenden vier Anmerkungen verbinden daher den Sinn für die Tiefe der Krise mit einer gehörigen Portion Staatsskepsis.
Erstens. Die wichtigsten Veränderungen, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nottun, betreffen Mentalitäten. Dass Unternehmer verantwortlich handeln, Entscheidungsträger stakeholder berücksichtigen, Aktionäre sich nicht von süßen Reden und Geschenken der Vorstände betören lassen und überhaupt der Pumpkapitalismus wieder einem Sparkapitalismus Raum gibt, ist nur sehr indirekt durch staatliches Handeln zu bewerkstelligen. So wie das vorherrschende soziale Klima sich vor zwanzig Jahren verändert hat, muss es sich erneut ändern. Hier liegt die Aufgabe für alle tonangebenden Gruppen.
Zweitens. Der neue Glaube an staatliche Regulierung ist verständlich, aber auch mit Vorsicht zu genießen: Was muss reguliert werden? Und: Wer reguliert? Hier kommen die im Zusammenhang der staatlichen Überlebenshilfen erfundenen "systemrelevanten" Wirtschaftszweige infrage, wobei immer zu bedenken ist, dass die Regulatoren ein undankbares Gewerbe betreiben, das nur selten die Besten und Erfahrensten anzieht. Auf mittlere Sicht ist daher Selbstregulierung der Staatsregulierung vorzuziehen.
Drittens. Die raschen, wahrscheinlich nötigen staatlichen Maßnahmen zur Sanierung des Finanzsystems und zur Stimulierung der Konjunktur haben Nebenwirkungen, die die höchste Aufmerksamkeit der Bürger und ihrer Gruppierungen verlangen. Das gilt für die staatliche Beteiligung an Unternehmen, vor allem aber für die sagenhaften Staatsschulden, die in der frühen Krise angehäuft wurden.
Ableitbares Wachstum wird diese nicht abtragen, und Steuererhöhungen werden an Grenzen stoßen. Dann aber bleibt nur ein Inflationsschub von beträchtlichen Ausmaßen, also der Preis, den die "kleinen Leute" bezahlen.
Viertens. Es ist in mancher Hinsicht gut, dass die Krise eine neue Qualität der internationalen Zusammenarbeit gefördert hat. Auch hier ist jedoch vor Illusionen zu warnen. Die Krise ist zwar ein weltweites, aber nicht unbedingt ein globales Phänomen. Sie ist also etwas der Art nach anderes als der Klimawandel. Die Wahrscheinlichkeit ist daher groß, dass es internationale Einigung nur bei der Suche nach Schuldigen ("Steueroasen") und bei der Legitimierung nationaler Aktionen gibt. Ein neues Weltwirtschaftssystem würde nur entstehen, wenn es (wie 1945) eine Garantiemacht gäbe, die dieses braucht und will. Nicht einmal die USA sind heute in dieser Lage.
Zufallsfunde in Schreibers Terminkalender
Die CDU-Spendenaffäre wurde nie ganz aufgeklärt. Jetzt endet in Kanada die Schonfrist für einen ihrer Kronzeugen: Den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber. Dort entdeckte man auch neue Spuren.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 29. Juli 2009, Seite 3 (Die Dritte Seite) von LARS VON TÖRNE (Ottawa / Berlin) + Die Zeit, Hamburg, 29. Juli 2009, 15.10 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). Der Tagesspiegel machte am 29.7.2009 auf der Titelseite mit einem Faksimile aus Schreibers Kalender 1997 sowie dem Artikel Schreiber kann jetzt ausgeliefert werden auf. [Original]OTTAWA / BERLIN (Tsp). Im Dezember 1999 springt im Büro von Helmut Kohl das Faxgerät an. Die Maschine empfängt ein Schreiben aus Kanada. Absender: Karlheinz Schreiber, der wegen Vorwürfen wie Steuerhinterziehung und Bestechung im Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften vor der deutschen Staatsanwaltschaft nach Kanada geflüchtete Geschäftsmann und Auslöser der damals erst wenige Wochen alten Parteispendenaffäre. "Ich weiß gar nicht, wie der an meine Nummer kommt", soll Kohl zu seinem damaligen Noch-Freund Wolfgang Schäuble gesagt haben, als er dem das Fax zeigte. "Was man so alles bekommt."
Was man so alles bekommt: Das Fax, das der Altkanzler aus Kanada erhielt ein gutes Jahr nach seiner Abwahl und kurz nach Bekanntwerden einer nicht ordnungsgemäß verbuchten Millionenzahlung Schreibers, die die CDU in die tiefste Krise ihrer Geschichte stürzte , war für ihn vielleicht weniger überraschend, als seine überlieferte Reaktion vermuten lässt. Denn es war nur eine von vielen Kontaktaufnahmen des Rüstungslobbyisten mit Kohl. Die Männer verband offenbar ein zeitweise recht reger Briefverkehr zumindest in einer Richtung. Das lassen private Unterlagen Schreibers vermuten, die kürzlich in Kanada erschlossen und veröffentlicht wurden.
Es handelt sich vor allem um Terminkalender, die viele Kontaktaufnahmen (Brief! Anruf!) zu CDU-Politikern verzeichnen. Namen, die in den 90er Jahren unter Kohl eine zentrale Rolle in der CDU-Regierung spielten und die zu den Empfängern von bis heute nicht ganz aufgeklärten Schreiber-Spenden gehörten, von Walther Leisler Kiep über Brigitte Baumeister und Wolfgang Schäuble bis eben auch zu Kohl selbst. Was so bisher nicht bekannt war.
Auch in Kanada: Spenden, Politiker, Waffen & Affären
Es ist einer Untersuchungskommission in Kanada zu verdanken, dass diese Informationen öffentlich wurden. Die Kanadier ermitteln, weil Schreiber auch in ihrem Land, in das er dereinst vor der deutschen Staatsanwaltschaft floh, eine Politikaffäre ausgelöst hat, in der es um den Thyssen-Konzern und den angeblich bestochenen Premierminister Brian Mulroney geht.Und wegen eben dieser Ermittlungen wurde auch eine bereits vor 2 Jahren beantragte Auslieferung Schreibers verschoben bis jetzt: Am Dienstag [28.7.2009] war in Ottawa der letzte Anhörungstag der Untersuchungskommission, und damit endet die von der kanadischen Regierung gewährte Schonfrist Schreibers. Somit könnte der 75-Jährige jetzt doch ausgeliefert werden [Ed: was dann auch am 3. August 2009 geschah].
Tausende Kilometer von Kanada entfernt lösen die im Zuge der kanadischen Ermittlungen teilweise zugänglich gemachten Dokumente aus Schreibers Privatsammlung derweil neue Aufregung aus. "Das wären die Unterlagen gewesen, die uns geholfen hätten, an den Kern der Sache zu kommen", sagt in Berlin-Mitte Frank Hofmann, ein SPD-Bundestagsabgeordneter aus Bayern, silbergraues Haar, tiefe Stimme, und pocht auf ein paar Kopien aus den Schreiber’schen Kalendern, die auf dem Schreibtisch in seinem Abgeordnetenbüro liegen.
Er war einer derjenigen, die von 1999 bis 2002 versuchten, im Untersuchungsausschuss zur CDU-Parteispendenaffäre die illegale Spendenpraxis unter Helmut Kohl aufzuklären. Und dabei scheiterten.
Zwar konnte der Ausschuss sehr auffällige zeitliche Zusammenhänge von nicht ordnungsgemäß verbuchten Schreiber-Spenden und politischen Aktivitäten der Kohl-Regierung feststellen: 1991 bei der Thyssen-Panzerlieferung nach Saudi-Arabien in zeitlicher Nähe einer Millionenspende an CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep wie auch bei der Unterstützung einer von Thyssen geplanten und von Schreiber beworbenen Fabrik für Militärfahrzeuge in der kanadischen Bear-Head-Region in zeitlicher Nähe zu einer 100.000-D-Mark-Spende an den damaligen CDU-Fraktionschef Wolfgang Schäuble.
Doch den von der Union stets zurückgewiesenen Zusammenhang zwischen Spenden und Regierungshandeln konnte der Ausschuss nicht nachweisen. Hätten die Abgeordneten konkretere Ergebnisse gehabt, wenn sie damals neben auskunftsfreudigeren Zeugen auch jene privaten Schreiber-Unterlagen zur Verfügung gehabt hätten, die nun in Kanada, wenigstens partiell, für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden? "Das hätte uns sehr geholfen", sagt SPD-Mann Hofmann und klingt für einen Moment geradezu aufgeregt.
Auf einem Dutzend Kopien von Kalenderseiten auf seinem Schreibtisch stehen mit Karlheinz Schreibers typischer, zwischen ordentlich und krakelig schwankender Handschrift Einträge wie: "Brief Kohl!", "Brief für Kanzler" oder "Kiep Kanzler Brief wg. Treffen mit PM Mulroney". Einträge aus den Jahren 1993 bis 1997. Dazu zahllose Nennungen von Namen aus der CDU-Prominenz, allen voran Kiep und Baumeister. [weiter bei der ZEIT]
Mehr zum Thema CDU/CSU-Parteispenden-Skandal:
] (DER TAGESSPIEGEL, Seite 1)
[13.01.2000: Thyssen-Krupp räumt Zahlungen an Schreiber ein] (BERLINER ZEITUNG)
[14.01.2000: CDU-Finanzgebaren Ist Politik doch käuflich?] (khd-research)
[04.02.2000: Kirch soll einer der Spender Kohls gewesen sein] (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG)
[07.02.2000: Wer wusste was?] (DER TAGESSPIEGEL)
[04.09.2002: Parteien fehlt Transparenz] (DER TAGESSPIEGEL)
[19.12.2005: Ex-Thyssen-Manager verurteilt] (BERLINER MORGENPOST)
[22.07.2006: Thyssen-Krupp soll mehr Schmiergeld gezahlt haben, als bislang angenommen] (DER SPIEGEL)
[18.10.2006: CDU-Kanther: Die Staatsanwälte sind am Zug] (SPIEGEL ONLINE)
[29.07.2009: Karlheinz Schreiber: Auslieferung nach Deutschland rückt näher] (DIE ZEIT)
[29.07.2009: Schreiber kann jetzt ausgeliefert werden
]Netto-Löhne in Deutschland von 2004 bis 2008 gesunken
Aus: Yahoo-News, 11. August 2009, 11.34 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original
BERLIN. Trotz kräftigen Wachstums sind die Netto-Reallöhne in Deutschland von 2004 bis 2008 gesunken. Die Entwicklung ist einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik.
Das teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag [11.8.2009] in Berlin mit. Der zurückliegende Aufschwung sei bei den Lohnbeziehern nicht angekommen, obwohl diese heute im Durchschnitt sogar besser qualifiziert seien, schreibt DIW-Experte Karl Brenke im am Mittwoch erscheinenden Wochenbericht des Instituts.
Der Netto-Reallohn ergibt sich durch Abzug der Sozialbeiträge und Steuern vom Brutto unter Berücksichtigung der Preissteigerung. "Offensichtlich hat die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften nachgelassen", sagte Brenke zu den Ursachen. Im Gegensatz zu den Angestellten hätten Selbstständige in den vergangenen Jahren ihre Einkünfte kräftig steigern können; ebenso seien die Einkünfte aus Kapitalvermögen gestiegen. "Insofern kann man die Arbeitnehmer als Verlierer bezeichnen", sagte Brenke.
Die schwache Lohnentwicklung in den zurückliegenden Jahren habe aber zweifellos Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, hieß es. Andererseits dämpfe es den Konsum, wenn sich Beschäftigte von ihrem Arbeitseinkommen weniger leisten können. Das DIW sagte eine Wende zu höheren Reallöhnen voraus. Grund sei die geringe Teuerungsrate.
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